Wo die „schlimmen“ Leute wohnen

Im Burgenlandkreis haben wir uns sehr wohlgefühlt

Der Burgenlandkreis liegt im südlichen Sachsen-Anhalt, also in dem Bundesland, in dem kürzlich bei der Landtagswahl die AFD die meisten Stimmen erhielt. Wir waren aus Anlass des 40. Geburtstages des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt dort (siehe Beitrag vom 1. September 2026) und haben noch ein paar Tage dran gehängt. Es handelt sich um eine Gegend, die schon seit Jahrtausenden bewohnt wird und eine sehr alte Kultur hat.

Außer Weißenfels haben wir die Städte Naumburg (Uta von…),

Freyburg (Rotkäppchen-Sekt),

ein Sonnen-Observatorium und die Arche Nebra besucht. Dazwischen fuhren wir durch riesige Felder, die zu DDR-Zeiten in dieser Größe angelegt wurden, sahen aber auch ganz viele neu gepflanzte Alleen (in den letzten 30 – 3 Jahren) und auch in den Städten viele Bäume. Auf einem Feld lag Faserhanf zum Rotten. So viele Windräder kenne ich nur von der Gegend um Salzgitter. Außerdem waren die Gärten noch so bunt, dass das Gärtnerin-Herz erfreut wurde. Im Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels erinnerte eine Tafel an all die „großen Geister“, die im Laufe der Jahrhunderte dort tätig waren. Die im Westen nicht bekannte Schokoladen-Manufaktur Argenta aus Weißenfels (wir mussten natürlich den Fabrik-Verkauf ausnutzen) zeigt Goethe und Luther auf der Verpackung.

Wir aßen Eis im schönsten Eis-Café, das wir kennen bei Goseck, wo sich auch das Sonnen-Observatorium befindet. In der Burganlage Goseck wächst ein prachtvoller männlicher Gingko biloba, gepflanzt 1840.
Weißenfels hat einige Weinlagen. Es gehört zum Weinbaugebiet Saale-Unstrut und ist das nördlichste in Deutschland. Hier lassen wir die Fotos sprechen.

Wo sind nun aber die „schlimmen“ Leute? Wir sind ihnen auf so einer großen Veranstaltung sicherlich begegnet, haben aber nur freundliche Menschen getroffen. Das änderte sich auch nicht, als wir das Thema AFD-Wahl direkt ansprachen. In Weißenfels hat die CDU ca 18% bekommen, alle anderen Parteien unter 10%, die AFD liegt mit 52% mit Abstand vorne. In der Regel war vom Denkzettel die Rede, aber auch, dass man es bequemer fände, wenn eine Partei die Richtung vorgibt.

Wir erhielten als Verein sehr viel Hilfe vom Leistungskurs Biologie des Goethegymnasiums Weißenfels. Die SchülerInnen mussten sich jeweils auf ein „Gemüse des Jahres“ vorbereiten und sollten uns „ausquetschen“, um für ihre Referate viel Stoff zu haben. Wir waren begeistert vom Eifer der jungen Menschen. Sie hatten auf eigene Faust zu den Gemüsen passende Spiele, Apps und Quizzbögen vorbereitet. Auch die vielen Kuchen stammten von den GymnasiastInnen, Einnahmen zu Gunsten der Abifeier. Abends spielte eine Band Ehemaliger. Die Lehrerin des Leistungskurses erzählte, das die Mehrheit von ihnen links gewählt habe.

Ich hoffe, die Bilder zeigen ein bisschen, dass es sich lohnt, in diese Gegend zu reisen!
Laut einer t-online-Umfrage von 2020 waren nur 2% der Ostdeutschen noch nie im Westen, aber 17% der Westdeutschen noch nie im Osten.
Unkenntnis führt zu Vorurteilen. Das ist bei den Ländern ähnlich wie beim Ausländeranteil.

Fotos Ev. Renell

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