Besuch aus Tansania in Biebertal

Anandumi Ndossi (Jahrgang 1975) ist seit knapp zwei Wochen in Biebertal bei Familie Dillmann zu Besuch. Er kennt Frau Dillmann, die für die Organisation „Technik ohne Grenzen schon zehnmal in Tansania war. In Biebertal und Umgebung hat er zahlreiche Gespräche geführt und viele Leute kennengelernt. Natürlich traf er unsere Bürgermeisterin, aber er besuchte auch eine Schule, einen Kindergarten, hatte ein langes Gespräch mit einer Gynäkologin der Uniklinik, die viel mit weiblicher Genitalverstümmelung zu tun hat. Über seinen Besuch bei Marchs konnten man in der Zeitung lesen. Herr Ndossi hat eine medizinische Ausbildung absolviert. Während seines praktischen Jahres im Krankenhaus sah er viele arme Kinder, sehr oft Waisen, deren Eltern an den Folgen der HIV-Infektion gestorben waren. Das Elend dieser Kinder bewog ihn, anschließend ein Jahr unentgeltlich in einem Waisenhaus zu arbeiten. Dort wuchs in ihm der Gedanke, diesen Kindern in einer Art zu helfen, dass sie nicht auf einem Level stehenbleiben, der in dauerhafte Armut mündet, sondern ihnen die Chance zu geben, soviel zu lernen, dass ihnen damit ein besseres und unabhängiges Leben möglich wurde.
Es vergingen noch ein paar Jahre, bis er 2003 als Verein (NGO) die „Appropriate Development Initiative“ (Initiative für angemessene – zielgerichtete – Entwicklung) ins Leben rief. 2007 wurde in Arusha die Grundschule gegründet, die 2008 mit der 1. Klasse begann. 2011 gab es 5 Klassen, inzwischen sind es 10.

Völlig fachfremd entwickelte er mit Lehrern ein Curriculum, das großen Wert auf besondere Fähigkeiten legt und diese trainiert. Dazu gehört Musik, eine Schreinerei, Nähen, Haustierhaltung , Ackerbau, Gartenbau und Computer. Die SchülerInnen sollen nicht nur theoretische Kenntnisse haben, sondern durch den Erwerb praktischer Fertigkeiten wissen, was sie im Leben wollen. Der Vergleich mit Hochschulabsolventen, die nur mit Theorie zu tun hatten, gibt ihm recht. Die AbsolventInnen des Trinity School gelangen leichter und erfolgreicher in Berufe als die anderen.

Ich hatte in der Zeitung von Herrn Ndossis Aufenthalt gelesen, und als ich ihn beim Brunnenfest sah, bat ich ihn um ein Gespräch.

Herr Ndossi besuchte uns gemeinsam mit Christine Dillmann. Dabei fiel sein hohes Interesse an der Landwirtschaft auf. Besonders interessierte ihn der „Agroforst“. Auf dem Land, auf dem jetzt die Gemüse für die Schule und das Futter für die Tiere angepflanzt werden, standen in seiner Kindheit noch viele Bäume. Inzwischen ist es nahezu kahl. Er möchte es wieder aufforsten. Im Hessenpark gibt es die Abteilung „Historische Landwirtschaft“, in der auch Agroforst-Flächen enthalten sind. Ich konnte kurzfristig eine Führung durch Volker Weber, den Leiter der Abteilung „Historische Landwirtschaft“ vereinbaren. Aus der geplanten Stunde wurden fast drei, weil es Herrn Ndossi sehr im Hessenpark gefiel und er und auch Volker Weber Spaß an dem gemeinsamen Gespräch hatten. Ich selber kenne den Hessenpark recht gut, aber Herr Weber führte uns in einen wunderschönen, wirklich parkartigen Teil, den ich noch nie gesehen hatte, weil er sehr weit vom Eingang entfernt liegt.

Wir lernten die Sattelschweine kennen, den neuen Bock der „Thüringer Waldziege“ und konnten nebenbei den Köhler interviewen.

Ein besonderes Highlight war für Herrn Ndossi die Ausstellung der alten Landmaschinen. Er hätte gerne einen Traktor mit verschieden Zusatzgeräten für die Farm. Die Maschine dürfte relativ einfach zu bekommen sein, aber sehr teuer ist der Transport nach Arusha, das am Fuße des Kilimandscharo liegt.
Sind knappe 10000 km auf dem Landweg durch 14 Staaten wie die Türkei, Syrien, Jordanien, Äthiopien oder den Sudan. Welcher Abenteurer hat Lust, im 25km-Tempo eine Maschine zu überführen?

Fotos Eveline Renell und Winfried Senger

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