Die billigste Tankstelle weit und breit

1 Liter Superkraftstoff nur 1 €

Das gibt es an der Milchtankstelle in Heuchelheim auf dem Hof der Bauernfamilie Klug, am Ende der Schillerstraße Richtung Silbersee. Zum vereinbarten Termin kamen immer mehr Leute im Auto oder auf dem Fahrrad mit einer leeren Flasche oder einem kleinen Kanister, um zu tanken. Menschen mit Migrationshintergrund überwiegend als Stammkunden. Sie kennen den Kauf frischer Milch aus ihrer Heimat.
Der Automat wird täglich frisch befüllt mit 100, sogar bis 150l frischer Milch, die sofort auf +4 Grad heruntergekühlt wird.
Oft haben Kunden gefragt, warum es keinen Automaten im Dorf oder einem Supermarkt gibt. Das verbietet die Lebensmittel-Hygiene-Verordnung. Milch darf im Automaten unpasteurisiert nur dort abgegeben werden, wo sie erzeugt wurde. Das muss außerdem in einem geeigneten Raum geschehen.

Frau Klug hat die Zapfanlage für unser Foto geöffnet

Kerstin Klug, die Bäuerin, begrüßte uns. Die Tankstelle gibt es seit 10 Jahren. War sie anfangs rund um die Uhr geöffnet, so wurden die Geschäftszeiten inzwischen eingeschränkt. Der Automat kann allerdings nur mit Bargeld bedient werden. Für die Umrüstung auf EC-Karte ist der Automat leider zu alt. Daher war die Tankstelle eigentlich nur in der Zeitung, wenn mal wieder ein Aufbruch verübt wurde.
Für alle Arbeiten, die rund um die Milchabfüllung anfallen, ist täglich mit etwa 100 Minuten Zeitaufwand zu rechnen. Aber die Investition lohnt sich für die Bauern. Die Molkereien zahlen zurzeit 35Cent pro Liter; ein gerechter Preis ist das nicht. Sie wissen selbst, was Sie als Kunde im Supermarkt zahlen. Da lohnt sich die Milchtankstelle auch für die Kunden.

Dennoch wird die größte Menge der Milch an die Molkerei Hochwald verkauft. Alle zwei Tage entnimmt ein Laborant, der den Tanksammelwagen begleitet, Milchproben, und untersucht bereits vor Ort auf Geruch und Geschmack, auf den Keimgehalt, den Antibiotikagehalt und kontrolliert, ob eventuell Kühe krank sind. Ihre Milch darf nicht verwendet werden. Damit ist auch die Milch im Automaten mitkontrolliert.

Auch die Tauben interessieren sich fürs Futter – und Kater Leo für die Tauben. Aber er fängt nie eine. Die kreisrunde „Tonne“ im Hintergrund fährt selbständig den Stallgang entlang und kehrt das Futter zu den Kühen, eine Arbeit, die früher von Hand gemacht werden musste.

190 Milchkühe stehen im geräumigen Lauf-Stall. Sie sind nicht angebunden. Zum Einsatz beim Melken kommt ein Fischgräten- Melkstand1. Familie Klug hält vor allem die Rasse „Holsteiner“ sowie einige „Rotbunte“. Die Kühe kommen demnächst auch auf die Weide, aber nicht in dem Umfang wie die Familie es sich gewünscht hätte. Ein Bürgerprotest vor einigen Jahren hat dies verhindert. Seit Anfang April sind die Schwalben zurück und haben ihre altangestammten Nester bezogen. Die Rauchschwalben sind sehr standorttreu. Der alte Stall hat genügend Öffnungen zum Ein- und Ausfliegen, da es aber kein Offenstall ist, entsteht kaum Zugluft. Das mögen die Schwalben nämlich gar nicht. Der neue Stall (Bild oben) dagegen ist ein offener Stall.

Fressende Kühe: „Holsteiner“ mit einer „Rotbunten“
Das Kälbchen ist einen Tag alt

Das Futter wird auf dem Hof selbst erzeugt. Familie Klug bewirtschaftet 250ha, die rund um Heuchelheim oft in kleinen Stücken und oft in anderen Dörfern verteilt sind. Es ist also viel Fahrerei mit der Feldarbeit verbunden. Angebaut werden Zuckerrüben, Getreide (Roggen und Weizen), Wiesengras und Mais. Ein Teil davon wird zu Silage verarbeitet. Das Hauptfutter besteht aus Rapsschrot. Heumilch wie in Bayern gibt es in Hessen nicht.
Familie Klug bewirtschaftet den Hof in zweiter Generation, doch die dritte steht schon in den Startlöchern. Der 19jährige Sohn arbeitet derzeit im zweiten Ausbildungsjahr in einem Laubacher Betrieb. Sobald er abends heimkommt, zieht er sich um und hilft im Hof mit. Es gibt inklusive der Familie 7 Mitarbeiter, darunter drei Auszubildende.

Damit Kühe Milch geben, müssen sie regelmäßig kalben. Beim ersten Mal sind sie 24 Monate alt. Auf dem Hof Klug bekommen sie 4-5 Kälber, bevor sie geschlachtet werden. 3-8 Wochen vor der Geburt „stehen sie trocken“, das ist quasi ihr Mutterschutz. Weibliche Kälber werden auf dem Hof weiter aufgezogen.

Kerstin Klug ist ausgebildete Erzieherin. Sie hat eine Zusatzqualifikation erworben für den „Bauernhof als Klassenzimmer“. Dieses Angebot wird rege genutzt.

Und wenn die Chefin höchstpersönlich die Führung übernimmt, dann darf natürlich auch probiert werden. Wir kannten den „frisch gemolkenen Milchgeschmack“ noch von früher und finden in besser als den im Tetrapak.

Aber nicht nur Milch kann man dort tanken, sondern auch Eier, Nudeln, Nudelsoße usw. erwerben. Das macht ein 2. Automat möglich. Diese Produkte produziert Familie Klug allerdings nicht selbst, sondern sie haben eine Kooperation mit der Landwirtschaftlichen Direktvermarktung Margit Jung aus Fronhausen im Kreis Marburg-Biedenkopf.

Nur die Preise für zubereitete Lebensmittel (in Gläsern oder Dosen) sind etwas teurer als in den Supermärkten, aber man schmeckt den Unterschied deutlich. Die Bedienung des Automaten ist kinderleicht und vor allem wird erst abgebucht, wenn man auch die Ware entnommen hat.

Unser Redakteur Friedhelm zeigt im Video die eindrucksvoll kinderleichte Benutzung des Warenautomaten. Im Gegensatz zum Milchautomaten funktioniert dieser nur mit EC-Karte und komplett ohne Bargeld. Man sollte also beides dabei haben, wenn man sich dort an jeder Zapfsäule bedienen möchte. Familie Klug freut sich über viele neue Kunden. Ein Besuch lohnt sich wirklich.

Das Ehepaar Klug

Hier folgen jetzt noch weitere Impressionen:

Beitragsbild: Eveline Renell
Bild 1-5: Eveline Renell
Video: C. Haus
restliche Bilder: Friedhelm Scholz

Klimabildung Hessen.de/Bauernhof als Klassenzimmer


1 Fischgräten- Melkstand = Ein Fischgrätenmelkstand ist ein weit verbreitetes, effizientes Melksystem, bei dem Kühe schräg (30°–50°) zur Melkgrube stehen. Dies ermöglicht einen guten Zugang zum Euter von hinten, eine ergonomische Arbeitshaltung und eine hohe Kuh-Melker-Interaktion. Durch Schnellablass-Systeme und kompakte Anordnung ist er ideal für mittlere bis große Herden.

Quelle: google

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