Zu Besuch bei den „Mornshäuser Heringen“

Nur ein paar Fotos wollten wir machen für den Bericht über die Lesung mit Armin Schild ( siehe 18. 8.). Aber wie meistens ergaben sich auch wieder ein paar andere Möglichkeiten und Beobachtungen. Auf der Fahrt nach Mornshausen hatten wir nicht das Gefühl, im Hinterland zu sein. Wo es beginnt und wie man dorthin kommt, darüber gab es während der Lesung einen kleinen Disput. Wir fuhren über Krumbach, Kirchvers, Altenvers. Adresse Subachstraße war der einzige Anhaltspunkt, und wir landeten gegenüber dem Gasthaus Kornhaus. Dort fanden wir das Hinweisschild auf die Wanderwege im Lahn-Dill-Bergland, einen schönen Biergarten – geöffnet ab 17.00 Uhr – und trafen einen netten jungen Wanderer.

Stefan Stiel vor der Extratour des Postraubes

Er hat kürzlich mit Freunden das „Grüne Band“ in mehreren Etappen von Süd nach Nord beendet. Die Strecken im Lahn-Dill- Bergland empfahl er sehr. Gerade bei Sommerhitze sei der Weg auf den Dreisberg sehr angenehm, da der größte Teil durch Wald führt.

Außerdem erzählte er, dass die Bäckerei Schäfer ein Posträuberbrot im Angebot habe. Das führte dazu, dass wir noch auf eine Tasse Kakao nach Gladenbach fuhren. Auf dem sehr großen, von alten Platanen beschatteten Marktplatz gibt es nicht nur reichlich Parkplätze, sondern auch mehrere Lokale und den Außenbereich von Schäfers Backstuben. Das Angebot war gut und im Vergleich zu den Preisen anderer Bäckereien preiswert. Vielleicht für ein Frühstück an einem freien Samstagvormittag? Sonntags ist leider geschlossen. Das teuerste Frühstück kostet 7,30 €. Für 750g Posträuberbrot zahlten wir 3,60€.

In Mornshausen wiesen verschiedene Installationen auf die 750-Jahr-Feier in diesem Jahr hin. Symbolisiert durch die „Mornshäuser Heringe“.

Bei dem Höfefest am 20.September wird es verschiedene Verkaufsstände zum Thema „Herbst“, mitten im Ortskern geben. Dieses wird begleitet mit verschiedenen musikalischen Auftritten.

Wie wir wollen Sie wahrscheinlich wissen, wie die Mornshäuser zu ihrem Spitznamen kamen. Herr Hetche vom Festkomitee schickte uns dazu das folgende Bild:

Von Fellingshausen nach Mornshausen dauert die Fahrt 22 Minuten. Zum „Bilderbogen-Café“ am 21. August haben wir einen Abend im Biergarten des Kornhaus` genutzt. Es gibt eine überschaubare Speisekarte mit regionalen Gerichten, hergestellt aus regionalen Zutaten. Das Essen ist lecker und empfehlenswert.

Beim Namen „Kornhaus“ dachte ich an einen Getreidespeicher, der schon 200 oder 300 Jahre alt ist. Völlig daneben. Das Gebäude wurde 1964 als etwas überdimensionierte Maschinenhalle für den Nebenerwerbsbetrieb von Kurt Runzheimer errichtet. Später diente die Hälfte als Lagerraum für selbst produziertes Hühnerfutter. Damals entstand der Name Kornhaus. Als Tochter Wiebke so weit war, den Betrieb zu übernehmen, der mittlerweile durch Zupachtung auf etwa 100 ha angewachsen war, veränderte sie auch die Betriebsstruktur. Die Halle wurde nicht mehr gebraucht, und das Gasthaus eingerichtet. Angela Haarmann-Lang ist bereits die zweite Besitzerin. Die geänderten Öffnungszeiten während der Corona-Pandemie hat sie beibehalten. Damit hat sie mehr Zeit für ihre Familie. Von den Gästen wird dieses Modell gut angenommen. Am Donnerstag war der Biergarten voll besetzt. Das Gasthaus liegt am Salzböde-Radweg.

Wiebke Runzheimer ist Agrar-Betriebswirtin und mobile Tier-Heilpraktikerin mit dem Schwerpunkt auf Pferden. Etwa 20% der Betriebseinnahmen entstammen der Pferdepension. Vom Biergarten aus konnte man zwar nicht den Reitplatz, wohl aber die Köpfe der Reiter/innen sehen. Der Betrieb wurde schon vor Jahren auf Biolandbau umgestellt, das Pferdefutter stammt aus eigener Erzeugung. Es gibt die Fruchtfolge Weizen – Triticale (Roggen-Weizen-Kreuzung) und als dritte Kultur jeweils eine aus der Auswahl Kleegras, Futtererbsen, Leindotter. Kleegras ist ein Gemenge aus verschiedenen Gras- und Kleearten. Leindotter ist nahezu unbekannt.

Das nebenstehende Foto von Robert Flogaus-Faust (veröffentlicht unter Creative Commons Lizenz bei Wikipedia)
zeigt den Fruchtstand von Leindotter.
Leindotter ist verwandt mit Kohl und Raps und ziemlich unscheinbar. Er sieht dem Hirtentäschelkraut etwas ähnlich.

Leindotteröl ist eine von der EU geschützte „Garantiert traditionelle Spezialität“ – für die Ernährung ist es vor allem aufgrund des hohen Anteils an 
α-Linolensäure wertvoll. Der Linolensäureanteil beträgt 33-39% des Gesamtfettgehaltes.
Gehandelt wird das Öl zum Preis von 40-60€/l
Es hat eine vielseitige Verwendung auch technischer Art.

Nebenbei erzählte Herr Runzheimer, dass es im Ort in den 1960er Jahren noch 60 Kuhgespanne mit „Vogelsberger Rotem Höhenvieh“ gegeben habe. Es war eine Dreifachnutzungsrasse: Fleisch-Milch-Zugkraft, während es heute vor allem als Fleischlieferant und für die Landschaftspflege eingesetzt wird. Rassebeschreibungen Rinder Rotes Höhenvieh; Landwirtschaft Hessen Nutztierrasse aus dem Vogelsberg

Wer sich für die Geschichte des Ortes interessiert, der findet im abgebildeten Buch (zurzeit leider vergriffen, Neuauflage in Planung, bitte auf die Warteliste setzen lassen http://www.mornshausen-a-s.de) sehr viel Informationen über das Dorf.

Fotos und Screenshots Eveline Renell, Leindotter Robert Flogaus-Faust

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