60 Jahre Kongresshalle Gießen am 5. März

Die Kongresshalle in den Jahren nach der Eröffnung
Prof. Georg August Zinn, Hessischer Ministerpräsident von 1950-1963 (wegen Krankheit zurückgetreten) Foto Bundesarchiv

Als ich 1967 nach Gießen kam, war die Kongresshalle gerade eineinhalb Jahre jung. Wir besuchten dort viele Veranstaltungen. Seit ich in Biebertal wohne, war ich nur ein- oder zweimal dort. Ein Studienkollege von uns sollte an einer GEW-Tagung teilnehmen. Nach vier Stunden bemerkte er, dass er wohl auf dem parallel laufenden Ärztekongress gelandet war. Demnach war die Einlasskontrolle damals sehr locker.
Die Eröffnung der Kongresshalle am 5. März 1966 war ein festliches Ereignis. Mehr als 1000 Personen nahmen teil. Nicht nur Honoratioren aus allen Bereichen der Stadt versammelten sich, auch eine ganze Ministerriege war aus Wiesbaden angereist, Gäste aus den Partnerstädten Versailles und Winchester nahmen teil und auch der Architekt der Kongresshalle, Sven Markelius aus Stockholm“. — „Ministerpräsident Georg August Zinn*3) nannte das Gießener Bürgerhaus eine »Perle in der Krone der hessischen Gemeinschaftshäuser« und »gesellschaftliches Zentrum für den mittelhessischen Raum«. Auch lobte er die Verantwortlichen, die mit dem Gebäude »Mut zu Neuem bewiesen« hätten, um von »überkommenen, erstarrten Bauformen abzuweichen«. Bürgermeister Bernd Schneider betonte, »dass die Stadt ein Bürgerhaus erhalten habe, das unseren Namen weit über die Grenzen unseres Hessenlandes hinaustragen wird“

Heinz Schenk in weißer Jacke, stehend, vor ihm Albert Oswald, ehemals Oberbürgermeister von Gießen und Hessischer Ministerpräsident (während der Startbahn West-Proteste)

Als »Conférencier« sorgte Heinz Schenk*4) für gute Laune, er witzelte über vieles, auch über das neue Gebäude: das Dach des Bürgerhauses sei flach »damit die Hypotheken gut drauf ruhen können« und habe »schwedische Gardinen“.
„Schwedische Architekten waren in den 1920er Jahren vom deutschen Bauhaus inspiriert worden, gaben ihm eine schwedische Note mit der Verwendung von Naturmaterialien. So fiel im SPD-regierten Gießen unter Albert Osswald die Wahl auf einen wichtigen Vertreter des »Schwedischen Funktionalismus«, auf Sven Markelius.

Ab Herbst 1965 wurden nach und nach die Räume ihrer Nutzung zugeführt: Stadtbücherei, Jugendzentrum, »Mohrunger Stuben« als Flüchtlings- und Altenraum, Volkshochschule, Kunstausstellungsraum, Kongresshalle mit großem und kleinem Saal, Restaurant und Bierlokal im Untergeschoss mit drei vollautomatischen Kegelbahnen. Die Tanzsportarten und die Fassenachter schwelgten geradezu in Veranstaltungen, Modenschauen waren sehr beliebt, Universität, Parteien und Verbände nutzten die neuen Räume. Und nach der Übergabe im März 1966 kamen auch die ersten Stars nach Gießen, darunter: Anneliese Rothenberger und Rudolf Schock, das Hazy-Osterwald-Quintett, Kabarettist Jürgen von Manger, Udo Jürgens, Zarah Leander und viele mehr. Die ersten Beat-Veranstaltungen strapazierten offenbar die Nerven der Organisatoren sehr. „ *1)

Eine Veranstaltung 2024 im Hof der Kongresshalle Foto???? von facebook

Links: In den ersten Jahren der Kongresshalle war auch das Ohnsorg-Theater aus Hamburg*5) zu Besuch.
Die Darsteller des 1902 gegründeten Theaters traten erstmals 1954 im Fernsehen auf. In den 1960er und 1970er Jahren waren ihre Theaterstücke auf „Missingsch“ (Plattdeutsch und Hochdeutsch gemischt) regelrechte Staßenfeger.
Die Dame unten ist Heidi Kabel.

  • Die Arbeiten gehen weiter, aber die Umgestaltung des unteren Foyers musste neu geplant werden, da die ursprüngliche Infrastruktur dort vorgesehen war, wo die Synagogenreste gefunden wurden.
  • Eine neue Gedenkstätte für die Synagoge wird in die Pläne integriert, wobei zwischen verschiedenen Varianten entschieden wurde.
  • Die Fertigstellung des 15,5 Millionen Euro teuren Projekts wird nun für Mitte 2027 erwartet, so die Gießener Allgemeine und Giessener Anzeiger im Dezember 2024.  KI – Information
    Nach neueren Informationen kann es sogar bis 2030 dauern. *2)

Von den abgebildeten Künstlern sind zumindest Udo Jürgens und Reinhard Mey noch bekannt. Die übrigen kann man googeln.

*1) giessener-allgemeine.de/giessen/heinz-schenk-witzelt-eroeffnung-jahre-kongresshalle

*2)Hessenschau.Konggresshalle in Giessen Modernisierung Könnte über 30 Millionen Euro kosten

*3) Frankfurter Personenlexikon.de/node/1805

*4) Frankfurter Personenlexikon

*5) https://de.wikipedia.org/wiki/Ohnsorg-Theater

Fotos Eveline Renell August 2024. Die Abdeckplanen hängen schon einige Jahre länger. Heinz Schenk = Screenshot (Original HR)

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